Fantasy

Weiß für Wut // Jari Järvelä

Klar, urban, packend – das sind die drei Wörter, die ich mit dem Buch nach dem Lesen verbinde. Stellenweise ist das Buch durchschnittlich und dennoch an manchen Punkten so herausragend, so dass das Buch aus meiner Sicht auf jeden Fall zu empfehlen ist. Wenn man Bock auf ein bisschen Norden und Finnland hat, dann sowieso.

Urban: Ja.

Rasant: Nicht immer.

Dramatisch: Definitiv.

Was das Genre betrifft, ist das Buch durchschnittlich gut, es lässt sich sehr gut lesen, man ist schnell drin und bekommt, was man von einem Thriller erwartet. In der Mitte, wo das Tempo etwas nachlässt, schrumpft das Interesse. Am Ende wird aber klar, warum diese Passagen, die erst etwas langatmig oder unnötig erscheinen, doch für die Geschichte wichtig sind.

„Jetzt gerade kroch an der Haltestelle kein blutender Mann herum, da standen bloß zwei Omas mit Rollatoren. Sie fauchten einander müde an. Die beiden sahen aus, als hätten sie sich schon die letzten vierzig Jahre lang gezankt. Allmählich ging ihnen wohl die Puste aus.“ S/87

Was die Sprache betrifft, lässt es sich ganz kurz zusammenfassen: klar, nicht zimperlich, macht Spaß, großartig.

„Oder, nein, Raittila strampelte sich im Bett natürlich nicht ab. Er fragte seine Frau höflich: Darf ich um zwanzig Uhr null null ihre Vagina mit meinem Penis penetrieren? Den Rhythmus ließ er sich von einem Metronom vorgeben.“ S/19

Dramaturgisch gelesen: Zwei Hauptfiguren laufen los. Werden eingekesselt, bis auf die Spitze getrieben, wo eine der Figuren stirbt. Und du als Leser stürzt mit ab. Eigentlich ist die Luft raus, du könntest das Buch genauso zu Seite legen und egal sein lassen. Es macht keinen Sinn mehr, auch wenn du sonst nach Gerechtigkeit fragen würdest, hier wäre sie dir jetzt egal. Doch weil du einen der Treiber als liebenden Vater kennengelernt hast, musst du doch weiterlesen. Ein spannender Erzählkniff …

Was die Figuren betrifft, ist das Buch sehr originell. Die Hauptfigur Metro mag ich mit all ihren Ecken und Kanten sofort und am Ende noch mehr. Sie hat Schwächen, aber ist doch ganz stark, ungewöhnlich, emotional, kreativ, eine Künstlerin. Künstler und auffallend sind auch die anderen Sprayer, und selbst ihre Abgründe mindern nicht die Faszination.

Und das ist das, was ich am meisten an dem Buch mag: Es geht um Kunst, nicht elitär-intellektuell, sondern urban, modern, aus dem Herzen und mit ungewöhnlichen Mitteln. Am liebsten würde ich das Ende erzählen, was die zugegebenermaßen bekloppteste Kunstaktion überhaupt aber trotzdem eine fantastische Idee ist. Aber ich will ja nicht spoilern …

 

Klappentext (Quelle: Random House)

Ein 19-jähriges Mädchen, das sich »Metro« nennt, ist leidenschaftliche Street-Art-Künstlerin. Zusammen mit ihrem Freund kundschaftet sie täglich ungewöhnliche Orte aus, um sich dort heimlich mit ihren gesprayten Kunstwerken zu verewigen. Als sie eines Nachts entdeckt werden, stirbt ihr Freund bei einer Auseinandersetzung mit dem Sicherheitsdienst. Metro kann fliehen. Ihre Trauer entlädt sich in einem wütenden Racheplan: Sie will dem Mann, der ihren Freund auf dem Gewissen hat, das Leben zur Hölle machen. Mit ihren ganz eigenen Mitteln …

Ein hoch dramatischer Thriller mit einer ungewöhnlichen Serienheldin, die niemanden kalt lässt.

Fakten

Jari Järvelä

Weiß für Wut – Thriller

Deutsche Erstausgabe

Aus dem Finnischen von Gabriele Schrey-Vasara
Originaltitel: Tyttö Ja Pommi
Originalverlag: Crime Time, Helsinki 2014

Paperback, 288 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-570-58552-8

Verlag: carl’s books

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