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Sonntagsklassiker

Balzac und die schrägen Typen der Journaille, das ist im Prinzip ein Reread für mich – nach etwa 20 Jahren, zuerst habe ich es wohl als Jugendliche gelesen. Damals beeindruckt, mit Sicherheit ehrfürchtig ob des Namens und des Berufsstandes, der darin beschrieben wird, glaube ich heute, dass ich nur die Hälfte verstanden habe. Die Sätze sind lang, verschachtelt, immer noch eine Einschiebung, dann noch eine, noch mehr Wörter, sodass man fast den Anschluss zum Anfang verliert. Und doch ist es lesbar und diese Ausgabe ein besonders schönes Exemplar, was sich auch gut als Geschenk eignet.

Heute verstehe ich auf jeden Fall besser, wovon Balzac in „Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken, Die schrägen Typen der Journaille“ schreibt und kritisiert. Gleichzeitig bin ich überrascht, wie aktuell Vieles noch immer ist, trotz Medienwandel und Medienkrise und Internet etc. Und so ist das Buch nicht nur ein schöner Geschenkklassiker sondern auch ein Denkanreger über Medien und Sprache, über das Üben von Kritik (er schimpft wie ein Rohrspatz und nicht gerade nett über Typen, mit Namen Benannte und System). Sehr amüsant!

Klappentext (Quelle: Manesse)

Journalisten? Hohle Schwätzer und vorlaute Kläffer! Zeitungsmacher? Elende Opportunisten! Kritiker? Perfide Ignoranten! Für Balzac waren Presseleute so ziemlich das Letzte. In seinem Bestiarium der Pariser Journaille, hier erstmals ins Deutsche übersetzt, wagt der Autor einen satirischen Rundumschlag – respektlos, böse und herrlich einseitig.

Die Herren von der schreibenden Zunft haben in Balzacs Augen samt und sonders etwas maliziös Wankelmütiges, sind offen korrupt oder von eherner Prinzipienlosigkeit. Angelehnt an die zoologische Artenbestimmung knöpft er sich in seiner Typenlehre nun sämtliche Gestalten der Pressewelt vor: den Leitartikler, den Vulgarisator, das Faktotum, den Lobhudler, den Monothematiker, den Sektierer, den Mann fürs Grobe und was sonst alles über die Flure von Zeitungsredaktionen kreucht und fleucht. Die kritische Inventur des modernen Journalismus ist ein origineller Sidekick in der aktuellen Debatte um die Rolle der Medien. Ergänzt wird die heitere Philippika durch Balzacs Appell an Schriftsteller, ihr Urheberrecht zu verteidigen.

Infos

Honoré de Balzac
Von Edelfedern, Phrasendreschern und Schmierfinken, Die schrägen Typen von der Journaille
Verlag: Manesse
Aus dem Französischen von Rudolf von Bitter
Gebundenes Buch, 320 Seiten, 9,0 x 15,0 cm
ISBN: 978-3-7175-2382-6

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