Sachbuch

Leben // Alex van Hell

Diese “ich wünsch das nicht mal meinem schlimmsten Feind”-Geschichte wird in zwei Strängen erzählt: die Operation des Tumors erleben wir in der Gegenwart, während die Vergangenheit dagegengesetzt ist. Leider stimmen manchmal die Zeitformen nicht ganz, es ist verwirrend, aber zum Glück selten. Diese Erzählstruktur ist ziemlich clever und dadurch wird die Geschichte gut nach vorne getragen und entwickelt durchaus Pageturner-Qualitäten. Geschrieben ist das Ganze in einem sehr fluffigen Stil, der eine ganz eigene Stimme hat:

„Den Vogel schoss allerdings meine Mutter ab. Sie hatte ein wunderschönes, weißes Brautkleid an, das zu allem Überfluss einen ellenlangen Schleier hatte. Als sie den ausgesucht hat, müssen die rosa Herzchen mit ihr durchgegangen sein.“ S/17

Auf Seite 83 habe ich dann persönlich ein Down, hadere mit dem Buch. Es ist einfach so krass, wie normal Gewalt ist, über so eine lange Zeit. Später gibt es noch einmal das Gefühl, dass es zu viel ist. Aber mehr weil das, was passiert so unglaublich ist. An dieser Stelle will ich da nicht weiter spoilern, da muss man sich wirklich selbst überraschen lassen. Es sei nur so viel gesagt: schlimm genug, dass Männer Frauen schlagen aber wieso können Männer Frauen schlagen, wenn andere danebenstehen, und niemand tut etwas? Und dann taucht schon die nächste Frage auf: wie gerät jemand in solch ein Leben? Im Verhältnis zu ihrer Schwester ist Alex van Hell ja schon einen, sagen wir mal besseren Weg gegangen. Trotzdem bleibt ihr Weg total krass.

Bei allem was sie tut, was sie weder verherrlicht noch beschönigt, entschuldigt sie sich nicht dafür, es ist einfach ihr Weg. Und neben all den Wildheiten gibt es so unendlich traurige Momente, die einen echt zum Heulen bringen.

 

 

Klappentext (Quelle Knaur)

Alex hat so viel mitgemacht, das reicht für zwölf Leben: Ihr leiblicher Vater ist Alkoholiker, vor dem die Familie flieht, die Mutter holt einen Lebensgefährten ins Haus, der Alex und ihre Schwester immer wieder verprügelt; als Teenager schließlich stürzt Alex total ab. Sie gerät in einen Strudel aus Drogen und Gewalt und wird mit 16 Jahren obdachlos. Mit zwanzig fängt sie mit dem Gogo-Tanz an und sichert sich damit ihre Existenz, führt endlich ein Leben, das sie lieben kann. Sie versöhnt sich sogar mit ihrer Mutter, als diese an Brustkrebs erkrankt. Doch wenig später der Rückschlag: Ein Tumor breitet sich in Alex van Hells Kopf aus, erst nach einem epileptischen Anfall nehmen sich die Ärzte ihrer an. Das Kavernom kann entfernt werden, die Epilepsie, die es ausgelöst hat, wird bleiben. Und trotz allem schafft es Alex, sich ein weiteres Mal aufzurappeln. Heute, fünf Jahre später, hat sie ein eigenes Tattoo-Studio, ist ein begehrtes Tattoo-Model, Barkeeperin und Geschäftsführerin eines Fetisch-Clubs. Dieses Buch ist die Geschichte einer unvergleichlichen Kämpferin.

Fakten

Alex van Hell
Leben – Mein härtester Kampf
Verlag Droemer Knaur
ISBN: 978-3-426-78786-1

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