Sachbuch

Krass

Vergewaltigungsopfer trifft Täter, bewusst eingefädelt, bewusst angegangen. Thordis Elva, die als Teenagerin von ihrer ersten großen Liebe vergewaltigt wurde, trifft nun Tom Stranger, um das Kapitel hinter sich zu lassen. Das Buch begleitet sie dabei – von Nordeuropa nach Südafrika, um ihn zu treffen. Er reist aus Australien an – Südafrika war der für beide gerechteste Weg.

Als ich zum ersten Mal das Buch angeteasert bekommen habe, in einer Verlagswerbung und später dann in dem Folder „Starke Frauen“, war ich sofort interessiert. Der Verlag ist durchaus in der Lage, dieses Thema gut aufbereitet zu publizieren. Klappentext und Textfetzen rund um das Buch tun ihr Übriges.

Anfangs kommt man dann auch gut rein in das Thema. Das Geschriebene folgt durchaus dem, was man von den Ankündigungen erwarten durfte. Aber dann wird es doch ein wenig Selbstzerfleischung, viele viele Gedanken, die sich immer wieder um einen Punkt drehen. Und das Erstaunlichste daran ist, dass es nicht die Gedanken des Opfers sind, sondern die des Täters, der sich wie ein Opfer windet und noch viel weniger als seine damalige Freundin loslassen kann. Das ist erstaunlich, doch so, wie man ihn kennenlernt, doch wieder nicht.

Insgesamt kann man sich gut in die Personen hineinversetzen, ohne dabei außer Acht zu lassen, dass es ein Verbrechen war, was die Frau über Jahre traumatisiert hat.

Doch ab etwa der Hälfte des Buches wünsche ich den beiden einfach nur noch, dass sie zum Ende mit der Geschichte kommen, heilen, loslassen. Fast wird es zu intim, die beiden müssen das einfach mit sich ausmachen. Ich habe es nicht zu Ende gelesen, würde es aber dennoch bedenkenlos empfehlen: Es ist ein wirklich ehrliches, authentisch wirkendes Buch, das sich sehr sensibel diesem Thema nähert.

Klappentext (Quelle: Droemer Knaur)

Eine Frau trifft den Mann, der sie vergewaltigt hat

9783426214121

Eine Frau, ein Mann, eine Vergewaltigung – und der schwierige Weg von Gewalt zu Versöhnung: Erstmals schreiben ein Vergewaltigungs-Opfer und ein Täter gemeinsam ihre Geschichte auf. Ein tief berührendes Memoir ist entstanden über Schuld, Vertrauen und Vergebung.

Die Isländerin Thordis Elva ist 16, als sie von ihrem Freund vergewaltigt wird. Nach einer Party nutzt Tom, der australische Austauschschüler, ihre Wehrlosigkeit aus und missbraucht sie stundenlang. Danach ist für Thordis wie auch für Tom nichts mehr wie zuvor. Beide versuchen auf ihre Weise, das Geschehen zu verarbeiten – vergeblich. Bis Thordis Jahre später mit Tom Kontakt aufnimmt. Sie schlägt ihm ein Treffen vor, in Kapstadt, auf halber Strecke zwischen Reykjavik und Sydney. Ihr Ziel: Sie will Tom die Tat vergeben und so endlich die Opferrolle ablegen. Auch Tom hat seine Sicht der Dinge zu erzählen.

Dieser ehrliche und authentische Bericht einer emotional riskanten Begegnung ausgerechnet in Kapstadt, er statistischen Hochburg von Sexualverbrechen, spricht Frauen und Männer an – denn Vergewaltigung in der Partnerschaft ist ein heiß diskutiertes Debattenthema.
Auf einzigartige Weise schildern die vielfach ausgezeichneten Autorin und Journalistin Thordis Elva, die sich für Gewaltprävention einsetzt, und Tom Stranger, der jahrelang als Sozialarbeiter tätig war, was damals zwischen ihnen wirklich passiert ist. Und wie es ihnen nach langen Jahren im Austausch gelingt, den Mut zu fassen, sich den Tatsachen zu stellen und das Unfassbare zu verarbeiten.
Thordis Elva: „Nur so konnte ich mir beweisen, dass Gewalt keine Macht über mich hat. Nicht damals, nicht heute: nie.“

Info

Thordis Elva/Tom Stranger
„Ich will dir in die Augen sehen“
Hardcover, Knaur HC
352 Seiten
ISBN: 978-3-426-21412-1

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