Sachbuch

Mars-WG

Sechs Leute, drei Frauen, drei Männer, abgeschirmt auf einem kahlen Berg auf Hawaii – ein Experiment, um zu testen, wie eine Crew auf dem Mars zurechtkommen würde. Ein Jahr in einer außerirdischen Wohngemeinschaft …

Darum geht es (Klappentext, Quelle: Knaur)

Es gibt Leben auf dem Mars! Im Auftrag der NASA leben sechs Wissenschaftler ein Jahr lang in einem Habitat mit elf Metern Durchmesser mitten auf einem Vulkan auf Hawaii. Dort, in der HI-SEAS-Station, sollen sie einen bemannten Flug zum roten Planeten simulieren. Kontakt zur Außenwelt haben sie nur per E-Mail, wenn sie ihre Unterkunft verlassen, tragen sie Raumanzüge.

9783426214145

Die Physikerin Christiane Heinicke ist die einzige deutsche Teilnehmerin an diesem Forschungs-Projekt. Sie gibt einen einmaligen Einblick in die Mars-WG und berichtet unter anderem vom nicht ganz spannungsfreien Zusammenleben des internationalen Teams auf engstem Raum, von Versorgungs-Engpässen und vom Dusch-Rekord, der bei 30 Sekunden liegt. Ein spannender Erfahrungs-Bericht über ein außergewöhnliches Experiment, das weichenstellend sein kann für die Zukunft der Raumfahrt.

„Die Personen, denen mein größter Dank gebührt, lassen sich an einer Hand abzählen. Es sind dieselben fünf Personen, denen in diesem Buch die Hauptrollen zugefallen sind und die genauso verrückt, bescheuert und völlig durchgeknallt sind wie ich. Fünf Menschen, die ein Jahr ihres Lebens geopfert haben, um mit mir zusammen das womöglich größte Abenteuer unseres Lebens zu bestehen.“ // S. 299

So liest es sich …

Grundsätzlich muss man natürlich schon ein bisschen Lust auf Wissenschaft und Analyse haben. Aber ansonsten ist das Buch wunderbar lesbar und sollte für Jede oder Jeden sehr gut verständlich sein. Zeitweise sind ein paar Abschnitte etwas langatmig, wenn man sich nicht so stark für Geologie, Steine und Höhlen interessiert. Aber diese Abschnitte kann man auch überfliegen, ohne zu viel von den Inhalten zu verpassen.

„Offensichtlich kehrte die Langzeitisolation die schlechtesten Eigenschaften in uns hervor, und zwar in uns allen.“ // S. 228

Die Stellen, die zwischenmenschlich richtig spannend sind, sind natürlich respektvoll gegenüber den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der außerirdischen Crew geschrieben. Deutlich wird trotzdem, wo und wie es zu Konflikten kam und wie die Dynamiken innerhalb der Gruppe waren – das ist das, was mich als von Hause aus Sozialwissenschaftlerin total neugierig auf die Geschichte gemacht hat.

„Denn die Menschen, die zum Mars fliegen, gehören nach wie vor zu den größten Sicherheitsfaktoren. Die Crew muss so gut zusammenpassen, dass sie sich … nicht an die Kehle geht und sich nach Stress schnell wieder zusammenfindet. Andererseits darf die Crew aber nicht so gut harmonisieren, dass sie mit der Bodenstation auf der Erde nichts mehr zu tun haben will. … Man stelle sich vor, eine Crew würde zum Mars geschickt, und nach drei Monaten würde sie ihre Arbeit abbrechen, weil die Bodenstation nervt.“ // S. 261

Leider werden nicht alle angerissenen Spannungsbögen bis zum Ende konsequent durchgeführt. Trotzdem denke ich, dass es ein sehr spannendes Buch ist, das einen unglaublichen Einblick in das Leben einer sechsköpfigen isolierten Gemeinschaft gibt oder überhaupt in das Leben in Isolation. Also absolut lesenswert.

Fakten

Christiane Heinicke
Leben auf dem Mars – Mein Jahr in einer außerirdischen Wohngemeinschaft
Klappenbroschur, 320 Seiten
Knaur HC
ISBN: 978-3-426-21414-5

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