Sachbuch

Die Irren mit dem Messer

Nicht unbedingt mein Thema, denke ich mir, als ich das erste Mal das Buch in den Händen halte. Klar liebe ich Essen und mag auch Restaurants, aber muss ich deshalb ein Buch über die Haute Cuisine und ihre Küche lesen? Aber der Klappentext macht mich neugierig und zerrt mich auf die erste Seite, von da an geht es immer weiter und weiter. Das ist ein spannendes Buch, lesbar wie ein Roman und dennoch auf einer wahren Geschichte basierend, intim, persönlich, echt und vor allem auch eins: Episch. Den ersten Vorgeschmack darauf bietet gleich das Eingangszitat:

„Die Küche ist nichts für Feiglinge, nichts für die Lauwarmen, die Kleingläubigen, sondern sie ist ein Platz für die Wagemutigen, für die Furchtlosen des Feuers, die Helden des flüssigen Stickstoffes, die Beherzten des Grills, für die Kühnen der Messer, die Unerschrockenen der Passier- und der Vakumiermaschinen und die Wackeren der Sphärifikation.“ (Pau Arenós in „La cocina de los valientes“, „Die Küche der Kühnen“)

Und Verena Lugert, von Hause Journalistin, nimmt uns als Quereinsteigerin mit in diese Welt – sie entscheidet sich mit 39 Jahren nicht mehr zu schreiben, sondern in der Küche zu arbeiten. Sie also nimmt uns mit hinter die Kulissen der kulinarischen Meisterleistungen. Dabei geht es manchmal auch so arg ins Detail, dass es für jemanden, der vielleicht nicht unbedingt so kochversessen ist, es dann doch langweilig und unübersichtlich werden kann. Aber diese Stellen kann man getrost überspringen und trotzdem weiter dem roten Faden folgen, der wirklich hochdramatisch ist.

Klappentext (Quelle: Knaur)

„In den Küchen der Spitzen-Gastronomie wird ebenso viel geweint und gelitten wie gekocht …“

Diese Erfahrung ist Verena Lugert von Anfang ihrer Kochkarriere in der Haute Cuisine an vertraut. In ihrem mitreißenden Memoir gibt sie eine Antwort auf die Frage, was einen Menschen wie sie dazu bringt, mit Ende dreißig ihre erfolgreiche Karriere als Journalistin aufzugeben und sich in die Küche eines Sternekochs wie Gordon Ramsay zu stellen, dort sechzehn Stunden am Tag zu malochen, körperliche Schmerzen und Erniedrigung zu erdulden und sich einem unvorstellbaren Anspruch nach Perfektion auszusetzen?

Verena Lugert erzählt vom gnadenlosen Druck in der Sterneküche, von Adrenalin-Junkies, die jeden Neuen argwöhnisch auf Herz und Nieren prüfen, und von ihrem Selbstbehauptungswillen inmitten dieser unbarmherzigen Männerwelt.

„Die Irren mit dem Messer“ ist die faszinierende Geschichte einer mutigen Frau, die in London im „Le Cordon Bleu“, der weltweit bekannten Kochschule, das Kochen für die Spitzen-Gastronomie lernt, um anschließend in einem Restaurant eines Sternekochs tagelang Schweinsköpfe zu zerlegen, glutheiße Herde zu schrubben – und es mit viel Schmerz und Tränen zu schaffen, endlich anerkannt und Teil eines Teams zu werden, das jeden Tag lukullische Kunstwerke auf den Teller zaubert.

Fakten

Verena Lugert
Die Irren mit dem Messer – Mein Leben in den Küchen der Haute Cuisine

Hardcover, Knaur HC
01.03.2017, 272 S.
ISBN: 978-3-426-21424-4

E-Book, Knaur eBook
27.02.2017, 272 S.
ISBN: 978-3-426-44317-0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.