Sachbuch

Der Kampf geht weiter // Lea Ackermann

Nach Couchsurfing im Iran will ich gleich ein weiteres Sachbuch lesen und greife zu „Der Kampf geht weiter“ von und mit Lea Ackermann. Versprochen wird eine tatkräftige Ordensfrau, die ihre Bankkarriere an den Nagel gehängt hat und Nonne geworden ist. Geschrieben wurde das Buch von einem Fernsehjournalisten. Aber …Ich merke sehr schnell, dass ich im Tempo herunterschalten muss. Während das Couchsurfing im modern fluffigen Magazinstil geschrieben wurde, war hier ein Publizist der alten Schule am Werk. Der Stil entspricht eher dem, was man beim ZDF erwartet – dort war der Autor lange leitend tätig. Darüber hinaus ist er Honorarprofessor für Religionsdidaktik der Medien in Freiburg und ein wenig so wirkt auch die Struktur des Buches. Dokumentarisch. Chronologisch. Leider auch zeitweise belehrend.

Sehr bildhaft wird beschrieben, wie sie ins Kloster gegangen ist. Das ist persönlich, lebendig, emotional. Aber es ist weniger 21. Jahrhundert-ich-schmeiß-alles-hin-spektakulär, wie man es nach der Ankündigung vermutet. Vielmehr sieht es aus, als wäre Lea Ackermann ganz klar gewesen, was sie da tat und als hätte es nie eine andere Möglichkeit als das Klosterleben für sie gegeben. Sie ist von Kindesbeinen an religiös und ihr Klostereintritt eine ganz bewusste Entscheidung, die sich langsam entwickelt hat. Es ist ein Lebensweg.

„Ich muss nicht alles haben, was es gibt und was möglich ist. Das heißt auch Verzicht. Aer auch das ist heute ein abgenutztes Wort. Für mich ist Verzicht positiv besetzt. Ich verzichte, damit alles etwas haben. Nicht nur ich.

Auf die Ehelosigkeit angewandt heißt das: Sich ganz radikal, von der Wurzel her, in den Dienst nehmen lassen. Und auf die körperliche Liebe freiwillig verzichten.“ S/41

Mit dem Klostereintritt wird es das Buch selbst auch immer religiöser. Die Bibel wird zitiert, Platon auch. Das ist alles ganz interessant, aber ich hatte noch die den Klappentext im Hinterkopf, die ganz andere Erwartungen erzeugt haben: inhaltlich, stilistisch und erzählerisch. Dazu kommt, dass das Buch viele Klischees bedient und häufig wenig plastisch ist. Frau Ackermann wird sehr emotional, sogar wütend, wenn es um Prostitution geht. Aber ich als Leserin fühle diese Emotionalität beim Lesen nicht. Da ist Meinung, ein paar Fakten, aber die Sprache und das Geschriebene bleibt weit weg von mir stehen, Schicksale werden nicht erlebt.

Gleichzeitig wünsche ich mir, dass weniger mit Allgemeinplätzen gearbeitet wird. Es ist ein wichtiges, spannendes Thema, um dessen willen ich mir wünsche, dass es anders erzählt wird, damit mehr Menschen das Buch lesen, die es nicht ohnehin wissen oder verstehen. Und deshalb macht es mich traurig, dass es nicht anders geschrieben ist. Dass das, was angedeutet wird über Macht, Kirche, Frauen, über Unterdrückung und Ausbeutung von Frauen, nicht greifbarer wird.

Ich hatte Gespräche mit Nonnen und Mönchen, die, selbst obwohl sie Jahre zurückliegen, noch immer nachwirken und die ich nie vergessen werde. Aus Gesprächen dieser Art und aus dem, was Mönche und Nonnen zu sagen haben, kann man lernen. Aus dem, was sie bei ihrer Arbeit am Rand der Zivilisation gelernt haben. Deshalb habe ich mich auf das Buch gefreut, deshalb finde ich es – mit den genannten Einschränkungen – weiterhin wichtig, Bücher wie diese zu lesen.

Klappentext (Quelle: Patmos)

http://www.patmos.de/images/978-3-8436-0884-8.jpg»Wäre Schwester Lea Ackermann nicht bei ›Unserer Lieben Frau von Afrika‹ gelandet, hätte sie auch Revolutionärin oder Staatschefin werden können. Ihre Mischung von Gerechtigkeitssinn, Empörung und Handlungsfähigkeit ist explosiv«, bescheinigt ihr niemand Geringeres als das Frauenmagazin EMMA.

Lea Ackermann hängte ihre Bankkarriere an den Nagel und ging als Ordensschwester nach Afrika. Die Begegnung mit dem Elend von Zwangsprostituierten veränderte ihr Leben. Ihr Hilfswerk für Frauen in Not, SOLWODI (Solidarity with Women in Distress), ist längst international verbreitet.

Von Michael Albus ließ sie sich herausfordern, sehr persönlich zu erzählen – wie sie wurde, was sie ist; woher die Kraft kommt, etwas zu bewegen; was sie wütend macht; warum sie trotzdem fröhlich bleiben kann; woran sie glaubt und worauf sie hofft. Offene Worte einer mutigen Frau.

Fakten

Lea Ackermann
„Der Kampf geht weiter – Damit Frauen in Würde leben können“
Ein biografisches Porträt von und mit Michael Albus

1. Auflage 2017 (erschienen am 12.01.2017)
Format 13 x 21 cm
160 Seiten
Hardcover mit Leseband
ISBN: 978-3-8436-0884-8

 

Credits Beitragsbild: Jilbert Ebrahimi via unsplash

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